Zähne & Zahnfleisch
Pflegemittel & Anwendung

Für die Zähne und das Zahnfleisch gibt es viele verschiedene Pflegemittel. Neben unterschiedlichen Zahnbürsten und Zahnpasten kommen Bürsten oder Zahnseide für die Zahnzwischenräume zum Einsatz.

Mitunter werden spezielle Gele oder auch Mundspüllösungen empfohlen. Andere Kulturen haben auch ganz eigene Pflegemittel für sich entdeckt und entwickelt.

Im Alter ist die Haut und manchmal auch die Mundschleimhaut sowie das Zahnfleisch z.B. aufgrund dauerhafter Medikamenteneinnahme (z.B. Cortison) ausgedünnt. Diese sogenannte Pergamenthaut ist sehr verletzlich, kann schnell bluten und die Empfindlichkeit ist insgesamt erhöht. Hier sollten milde Zahnpflegemittel (weiche Zahnbürste - Zahnpasta ohne Minzgeschmack und mit milden Schaumbildnern, z.B. Betainen) gewählt und bei der Unterstützung der Putzdruck gering gehalten werden.

Zahnbürsten

Zahnbürsten gibt es in großer Vielfalt und für alle Einsatzbereiche. Elektrische Zahnbürsten erzielen bessere Reinigungsergebnisse als Handzahnbürsten, vor allem bei Allgemeinerkrankungen wie z.B. Rheuma oder Schlaganfall. Die korrekte Anwendung unterscheidet sich aber und sollte jeweils in der Bedienungsanleitung nachgelesen werden. Zudem sind elektrische Zahnbürsten meist teurer und verunsichern manche Menschen durch die Geräusche und Vibrationen. Alternativ gibt es Zahnbürsten mit Griffverstärkungen, die das Halten der Handzahnbürste erleichtern.

Normalerweise sollten Zahnbürsten mittelharte Borsten aufweisen, um eine optimale Reinigungswirkung zu erzielen. Bei älteren und gebrechlichen Menschen sind das Zahnfleisch und die Schleimhäute mitunter empfindlicher. Weiche Borsten werden dann besser toleriert, insbesondere dann, wenn das eigenständige Putzen nicht möglich ist.

Bei weichen Zahnbürsten nutzen sich die Borsten schneller ab und die Zahnbürste muss häufiger ausgewechselt werden. Ein regelmäßiger Wechsel ist schon aus hygienischen Gründen sinnvoll.

Zahnbürsten für spezielle Situationen

Besondere Pflegesituationen machen den Einsatz spezieller Zahnbürsen sinnvoll. Hier ein Überblick:

Typ Zweck Problem
Dreikopfbürste Gleichzeitige Reinigung aller Zahnflächen Bei langen Zähnen wird das Zahnfleisch nicht erreicht
Fingerzahnbürste Kinder Verletzungsgefahr bei Unterstützung
Absaugzahnbürste Bei Gefahr sich zu verschlucken laut, teuer, Anwendung erfordert Übung

Zahnbürsten mit Holzgriffen sowie Zahnbürsten mit Naturborsten sollten aus hygienischen Gründen nicht verwendet werden. Naturborsten können zudem zu Verletzungen des Zahnfleisches führen und allergische Reaktionen verursachen.

Aufbewahrung & Wechsel

Nach dem Zähneputzen sind die Zahnpastareste gründlich mit Wasser aus der Bürste zu spülen. Trocknen die Zahnpastareste in der Zahnbürste, sind die Borsten beim nächsten Gebrauch deutlich härter und das Putzen der Zähne schmerzhaft. Die Zahnbürste im Mundspülbecher immer mit dem Kopf nach oben aufbewahren, damit die Zahnbürste optimal an der Luft trocknen kann – das tötet Bakterien in der Bürste am wirksamsten ab.

Für den Wechsel der Zahnbürsten ist ein Intervall von vier Wochen sinnvoll. Wenn die Borsten weit gespreizt sind oder sonst starke Abnutzungserscheinungen aufweisen, sollte man die Zahnbürste auch schon früher auswechseln.

Zahnzwischenraumbürsten mit Metalldrahtkern sollten nicht länger als eine Woche eingesetzt werden, da sonst die Gefahr stark ansteigt, dass sie abbrechen.

Auch nach schweren Erkrankungen wie z.B. einer Lungenentzündung wird der Austausch der Bürsten empfohlen.

Zahnseide & Interdentalbürste

Die Anwendung von Zahnseide ist nur bei engen Zahnzwischenräumen angezeigt. In der Pflege ist die Anwendung von Zahnseide bei Unterstützung schwierig und bei eingeschränkter Kooperation mit erhöhtem Risiko von Verletzungen durch Zubeißen verbunden.

Ist das Zahnfleisch schon etwas zurückgegangen und sind die Zahnzwischenräume weiter, sind Zahnzwischenraumbürsten (Interdentalbürsten) sinnvoll, da sie von „außen“ eingesetzt werden und so die Verletzungsgefahr reduziert ist. Zunächst sollten die Zähne mit der Zahnbürste geputzt und nur der Zahnpastaüberschuss ausgespuckt werden. Anschließend werden die Zahnzwischenräume mit der Interdentalbürste gereinigt – so kann die Zahnpasta auch zwischen den Zähnen optimal wirken.

Bezüglich der Härte der Borsten gelten die oben erwähnten Aussagen zu Zahnbürsten.

Zahnpasten

Inhaltstoffe

Zahnpasten haben eine Vielzahl von Inahltstoffen mit unterschiedlichen Aufgaben:

  • Putzkörper und Schleifpartikel
  • Waschaktive Substanzen und Schaumbildner (Tenside)
  • Fluorid
  • Antibakterielle und entzündungshemmende Stoffe
  • Desensibilisierend wirkende Stoffe
  • Konservierungsstoffe
  • Feuchthaltemittel
  • Binde- und Verdickungsmittel

Die Putzkörper und Schleifpartikel sind entscheidend für die Reinigungsfunktion der Zahnoberflächen, auch bezichnet als Relative Dentin Abrasion (RDA-Wert).

Genau genommen definiert der RDA-Wert, wie viel Dentin innerhalb einer definierten Zeit von einer radioaktiv markierten Probe durch die die Zahnpasta abgetragen wurde. Da unterschiedliche Mess-Methoden zugrunde liegen können, sind die RDA-Werte der Zahnpasten nicht genau vergleichbar.

Ungefähr gilt für die Angaben zum RDA-Wert auf Zahnpastatuben:

RDA-Wert Abrasion Leistung
< 30 sehr gering abrasiv geringe Reinigungsleistung
30 - 50 wenig abrasiv gutes Verhältnis zwischen Abrieb und Reinigungswirkung (für Kinder)
50 - 80 mittel abrasiv gutes Verhältnis zwischen Abrieb und Putzleistung (für Erwachsene)
> 100 sehr stark abrasiv Zahnpasta für weiße Zähne (nicht für den Dauergebrauch geeignet)

Fluorid

Zahnpasta sollte in jedem Fall Fluorid enthalten. Fluorid erneuert und härtet die Zahnoberflächen am besten. Die Menge der Zahnpasta und deren Fluoridkonzentration sind an das Alter und die jeweilige Risikosituation anzupassen. Erwachsenenzahnpasta hat eine Fluoridkonzentration von etwa 1500 ppm (part per million).

Im April 2021 hat das Netzwerk "Gesund ins Leben" vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft einheitliche Handlungsempfehlungen in Deutschland zur Vorbeugung von Karies mit Fluorid im Säuglings- und frühen Kindesalter entwickelt. Zur Übersichtsgrafik geht es hier.

Sehr viele wissenschaftliche Untersuchungen konnten eindeutig zeigen: Bei vorgegebener Anwendung im Rahmen der Mundpflege hat Fluorid in der Zahnpasta keine schädlichen Nebenwirkungen, auch nicht bei Anwendung über Jahrzehnte und auch nicht, wenn immer mal wieder geringe Mengen Zahnpasta verschluckt werden.

Ein 1 cm langer Streifen Erwachsenenzahnpasta (1400 ppm) beinhaltet 0,7 mg Fluorid. Fluorid findet sich aber auch in diversen Lebensmitteln, wie z.B.:

  • Mineralwasser (von 0,02 mg/l bis teilweise > 3 mg/l)
  • Schwarzer Tee (teilweise > 1,2 mg/kg)
  • Kräuter (ca. 0,6 mg/kg)
  • Speisesalz mit Fluorid (ca. 250 mg/kg)

In deutschen Großküchen wird kein fluoridiertes Speisesalz verwendet. Ebenso wird dem Leitungswasser in Deutschland kein Fluorid zusätzlich beigegeben. Dennoch kann regional und teilweise auch saisonal Fluorid in geringer Menge enthalten sein.

Eine gute Orientierung bei der Wahl der Zahnpasta geben die Empfehlungen von ÖKO-TEST und Stiftung Warentest.

Kariesprävention mit FluoridKariesprävention mit Fluorid

Zahnpasten für besondere Situationen

Bei freiliegenden Zahnhälsen (zurückgezogenem Zahnfleisch) sollte die Zahnpasta "für empfindliche Zähne" wenig abrasiv sein.
Bei Menschen mit der Gefahr sich zu verschlucken (Aspiration) sollten Zahnpasten nicht stark schäumen. Auch Schärfe und Geschmack sind bei der Wahl der Zahnpasta zu beachten.

Es gibt insgesamt eine große Vielfalt an Zahnpasten, darunter sind auch Zahnpasten, die für spezielle Situationen entwickelt wurden:

  • Kinderzahnpasta ohne Fluorid oder mit angepasster Fluoridkonzentration (1000 ppm)
  • Zahnpasta ohne Menthol (z.B. elmex® mentholfrei) für empfindliche Schleimhäute z.B. bei Chemotherapie oder Bestrahlung
  • Zahnpasta für "empfindliche Zähne" (Erosionsschutz) mit geringerem Abrieb Relative Dentin Abrasion – RDA-Wert < 40)
  • Zahnpasta mit speziellen Fluorid-Inhaltsstoffen (z.B. Zinn-Fluorid) zum besseren Schutz der Zahnwurzeloberflächen
  • Zahnpasta mit hoher Fluoridkonzentration (5000 ppm - Duraphat® Zahnpasta) – z.B. bei hohem Risiko für Karies

Bei erwachsenen Menschen ist die Anwendung von fluoridhaltiger Zahnpasta für Erwachsene wichtig. Auch wenn die Zahnpasta verschluckt werden sollte, so ist dies in den Mengen, die hier zum Einsatz kommen, nicht gesundheitsschädlich.

Zahnpasta mit Aktivkohle ist nicht sinnvoll.

Mundspüllösungen

Mundspülungen und Mundduschen sollten nur bei guter Kooperationsfähigkeit zum Einsatz kommen und wenn die betroffenen Menschen die Anwendung gewohnt sind. Bei eingeschränkter Kooperationsfähigkeit und vor allem bei erhöhter Gefahr, sich zu verschlucken (Aspiration) sollte darauf verzichtet werden.

Mundspüllösungen haben unterschiedliche Zielsetzungen:

  • Gegen Karies
  • Gegen Zahnfleischentzündungen
  • Gegen Mundgeruch
  • Gegen Mundtrockenheit
  • Zur allgemeinen Desinfektion

In der Pflege sollten Mundspüllösungen – wenn überhaupt – in Absprache mit dem Zahnarzt angewendet werden.

Im Mund gibt es Bakterien, die Nitrat aus der Nahrung zu Nitrit reduzieren können. Im Blutkreislauf kann dann Nitrit in Stickstoffmonoxid (NO) umgewandelt werden - was gefäßerweiternd und blutdrucksenkend wirkt. Gerade im Alter werden diese Bakterien und ihre blutdruckregulierende Wirkung wichtig. Mundspüllösungen können nitratreduzierende Keime auf der Zungenoberfläche reduzieren und provozieren so einen unerwünschten Blutdruckanstieg. Umgekehrt können zu viel Nitrat oder zu viele der Bakterien eine starke Weitung der Adern im Gehirn provozieren - ein möglicher Auslöser plötzlicher Migräneattacken.

Bei älteren Patienten mit Zahnfleischbluten und schlechter Mundhygiene sind Prä- und Probiotika eine gute Alternative zu Mundspüllösungen.

Zähne putzen

Systematik

Die Putzsystematik, in welcher Reihenfolge also die Zahnflächen nacheinander geputzt werden sollen, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab:

  • Eingeübte Routinen wie z.B. die KAI-Methode (Kauflächen, Außenflächen, Innenflächen)
  • Einsehbarkeit des Mundes ausgehend von der Körperstellung bei der Unterstützung der Mundpflege
  • Kooperationsfähigkeit des unterstützungsbedürftigen Menschen

Es kann z.B. sinnvoll sein, zunächst alle Außenflächen zu putzen, weil der Mund erst nicht richtig aufgehen will, oder aber zunächst alle Flächen im Oberkiefer zu putzen, weil bei manchen eingeschränkt kooperativen Menschen der Unterkiefer sehr „unruhig“ ist.

Wichtig ist, dass wir alle Zahnflächen putzen - so, wie es am besten geht.

Auch die Kieferbereiche, auf denen Prothesen aufliegen, sollten mit Zahnbürste und Zahnpasta geputzt werden. Im hinteren Gaumenbereich ist der Würgereiz zu beachten.

Druck

Die Zahnbürste sollte immer mit geringem Anpressdruck (etwa wie beim Schreiben mit einem Druckminenbleistift) und zugleich sicherer Handhaltung geführt werden.

Bei Handzahnbürsten sind entweder kleine Bewegungen vor und zurück oder kreisend zu bevorzugen.

Elektrische Zahnbürsten führen die eigentliche Putzbewegung selbst durch, weshalb elektrische Zahnbürsten ohne weitere Putzbewegung von Zahn zu Zahn geführt und für etwa ein bis zwei Sekunden an jedem Zahn ruhig gehalten werden sollten.

Die Zahnpasta soll helfen, die Beläge zu entfernen und eine Calcium-Fluorid-Schutzschicht für die nächsten Stunden zu bilden. Deshalb muss nicht nur mit der Zahnbürste geputzt werden. Die Zahnpasta muss auch einwirken können. Wenn wir also mit dem Putzen fertig sind, legen wir die Zahnbürste zur Seite und bewegen die Zahnpasta wie eine Mundspülung im Mund, anschließend wird ausgespuckt. Kann ein Mensch die Zahnpasta so nicht kontrollieren, wird gleich ausgespuckt oder überschüssige Zahnpasta mit einer Kompresse ausgewischt.

Wird eine Zahnzwischenraumbürste benutzt, kann diese Reinigung mit der verbliebenen Zahnpasta im Mund erfolgen, dann wird nochmals ausgespuckt oder mit Kompresse ausgewischt. Kräftiges Ausspülen nach dem Zähneputzen ist nicht notwendig!

Häufige Fehler beim Zähneputzen: Wir putzen in der Regel mit zu viel Druck. Wir putzen zu kurz. Und wir lassen die Zahnpasta nicht lange genug einwirken.

Dauer

Die Putzdauer sollte in etwa 2 Minuten betragen - allein schon, damit die Zahnpasta lange genug einwirken kann. Gerade bei älteren Menschen, die häufig auch weniger Restzähne im Mund haben, kann das "aktive" Putzen der Zähne auch an der Zahl der Restzähne orientiert werden. Grob gesagt gilt hier:

Restzähne Putzdauer
10 Zähne 1 Minute
20 Zähne 2 Minuten
30 Zähne 3 Minuten

Zähne Putzen: Wenn wir aufhören wollen, die Zähne zu putzen: Einfach noch einmal über alle Zahnflächen putzen.

Rund um die Prothese

Gerade bei wenigen Restzähne tragen Menschen aber häufig Zahnprothesen im Mund. Die Zeit, die man sich dann für das Putzen der wenigen Zähne spart, sollte für die Reinigung der Kieferbereiche, denen die Zahnprothesen aufliegen, genutzt werden. Das Putzen dieser Bereiche kann auch mit Zahnbürste und Zahnpasta erfolgen. Im hinteren Gaumenbereich ist hierbei darauf zu achten, dass möglichst kein Würgereiz ausgelöst wird. Klebt noch Haftcreme an den Schleimhäuten, sollte diese zunächst mit Kompressen entfernt werden.

Reinigung von Zahnprothesen & Umgang mit Kompressen

Was gibt es noch zu wissen?
Weitere Themen

Lippen

Zähne & Zahnfleisch

Zahnprothesen, Spangen & Schienen

Zunge

Mundschleimhäute

Chlorhexidin & Co

Feedback

Wir freuen uns über konstruktives Feedback, Anmerkungen oder Anregungen zum Projekt.
Schreiben Sie hierzu einfach eine Nachricht an info@mund-pflege.net.

©mund-pflege.net

Suchen …