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Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind vielfältig. Herzinfarkt und Schlaganfall zu den Volkskrankheiten. Diese werden entweder akut z. B. durch Thrombosen (Blutgerinnsel) oder durch längerfristige Ablagerungen (Plaques) an den Gefäßwänden ausgelöst.

  • Arteriosklerose (Arterienverkalkung): Degenerative arterielle Gefäßerkrankung. Der Begriff Atherosklerose betont die Einlagerung von Plaques in die Gefäßinnenwänden.
  • Koronare Herzkrankheit (KHK, Angina pectoris): Große Herzgefäße (Koronararterien) sind verengt.
  • Periphere Arterielle Verschlusskrankheit (PAVK): Durchblutung der Beinschlagader ist gestört. Betroffene bleiben z. B. beim Einkaufen häufig stehen (Schaufensterkrankheit).

Hier geht es zum Check für das eigene Herzinfarkt-Risiko.

Atherosklerose & Parodontitis

Parodontitis ist ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bakterien aus dem Mund (u.a. Porphyromonas Gingivalis) finden sich an Herzklappen und Blutgefäßen.

Der Zusammenhang zwischen Parodontitis und koronarer Herzerkrankung, Schlaganfall sowie peripherer arterieller Verschlusskrankheit ist wissenschaftlich gut belegt.

Bakterien aus dem Zahnhalteapparat dringen über die Blutbahn in die Gefäßwand ein, vermehren sich dort und schädigen die Gefäße. Zudem aktivieren die Keime die Gerinnung und fördern die Bildung von Entzündungsmediatoren, u.a. auch Autoantikörper gegen die Gefäßzellen.

Eine Parodontitistherapie kann die die Endothelfunktion vor allem im frühen Stadium der Erkrankung verbessern.

Parodontitis-Therapie kann die Durchblutungssituation verbessern.

Häufigkeit

Ca. 19 Mio. Menschen in Deutschland leiden an Bluthochdruck. 40–50 % von Ihnen werden nicht rechtzeitig erkannt. Nur 30-40 % werden effektiv behandelt.
Ca. 4 Mio. Menschen in Deutschland leiden an Durchblutungsstörungen und auch hier sind zwei Drittel unerkannt. Bei über 90 % der Patienten mit chronischen Durchblutungsstörungen findet man eine Arteriosklerose als Ursache. Mehr als 20 % der über 65-Jährigen leben damit in einem erhöhten Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt.

Über 300.000 Menschen sterben jedes Jahr an Herzinfarkt und Schlaganfall.
Über 200.000 Menschen erleiden jährlich einen Schlaganfall, 15 % aufgrund verengter Hirnschlagadern.
Über 300.000 Menschen weisen gefährlichen Erweiterungen (Aneurysma) der Bauchschlagader.
Über 100.000 Menschen jährlich erkranken an einer Venenthrombose in den großen Venen; eine gefürchtete Komplikation ist die lebensgefährliche Lungenembolie.
Über 35.000 Menschen werden pro Jahr wegen einer durch Atherosklerose oder gefäßbedingten Folgen des Diabetes mellitus beinamputiert.

Bis zu 30 % der Menschen mit Atherosklerose an Herz-, Hirn- oder Beingefäßen weisen zudem Verengungen der Nierengefäße aus; Niereninsuffizienz und Dialyse sind die Folgen.

(Quelle: Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e. V.)

Ursachen

Während die kleinen Blutgefäße (Kapillaren) nur aus einer Schicht aufgebaut sind, weisen die großen Blutgefäße (Arterien und Venen) drei Schichten auf. Die Gefäßinnenhaut (Endothel) nimmt durch hohen Blutdruck, hohe Blutzucker- und hohe Cholesterin-Werte mittelfristig Schaden. Kleinste und kleine Verletzungen, die sich mehr und mehr verstärken, führen zu den Ablagerungen (Plaques) aus Cholesterin, anderen Fetten, Bindegewebe, Blutbestandteilen, Zuckern sowie Mineralien (Calciumphosphat). Das Blutgefäß „verkalkt“ und es kommt zur Minderdurchblutung (Ischämie).

Kalkeinlagerungen in der mittleren Gefäßwandschicht sind eine besondere Form der Arteriosklerose und finden sich häufig bei Diabetes mellitus oder bei chronischen Nierenerkrankungen (Niereninsuffizienz).

Sind mehr als 70 % eines Gefäßes eingeengt (in der Regel Jahre bis Jahrzehnte), treten meist die ersten Symptome auf. Besonders betroffen sind:

  • Aufzweigungen der Halsarterien
  • Aufzweigung der Bauchschlagader in die Beckenarterien (Aortenbifurkation)
  • Schlüsselbeinarterie
  • Beckenarterien
  • Oberschenkel- und Kniearterien
  • Unterschenkelarterien

Reißen Ablagerungen ein, kann sich an der Stelle ein Blutgerinnsel bilden und das Blutgefäß vollständig verschließen mit schwerwiegenden Folgen für das betroffene Gewebe (z. B. Herzinfarkt, Schlaganfall, Lungenembolie …).

Aufbau großer Blutgefäße & Entstehung von Ablagerungen Aufbau großer Blutgefäße & Entstehung von Ablagerungen

Risikofaktoren

Neben dem Alter, der erblichen Belastung und dem männlichen Geschlecht spielen vor allem Fettstoffwechselstörungen eine entscheidende Rolle bei der Entstehung der Krankheit.

Risikofaktoren 1. Ordnung

  • Zu hohe Cholesterinwerte (Hypercholesterinämie)
  • Zu hoher Blutdruck (Hypertonie)
  • Stoffwechselerkrankungen (z. B. Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus)
  • Zigarettenrauchen

Risikofaktoren 2. Ordnung

  • Übergewicht
  • Stress
  • Bewegungsmangel

Menschen mit zwei Risikofaktoren 1. Ordnung sind bereits viermal so stark gefährdet, eine Atherosklerose zu entwickeln im Vergleich zu Personen ohne Risikofaktoren.

Symptome

Durchblutungsstörung allgemein

  • Haut blass bzw. blau
  • Gliedmaßen kalt
  • Wundheilung verzögert
  • Taubheitsgefühl
  • Schmerzen
  • Puls schlechter bzw. nicht fühlbar
  • Ausdauer beim Laufen eingeschränkt

Durchblutungsstörung im Bereich der Beine

  • „Brennen“ in den Beinen
  • Fußnägel wachsen langsamer
  • Haarverlust an den Beinen
  • Muskelschwäche bzw. Muskelschmerzen bei Belastung

Durchblutungsstörung im Bereich des Herzens

  • "Brustenge" – Druck in der Brust

Herzinfarkt bei Frauen

  • Übelkeit mit Erbrechen
  • Müdigkeit
  • Kiefer- oder Halsschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Atemnot
  • Benommenheit

Herzinfarkt bei Männern

  • Starke Schmerzen hinter dem Brustbein
  • Schmerzen ggf. ausstrahlend in Arme, Hals, Kiefer, Schulterblätter, Oberbauch oder Nacken
  • Starkes Engegefühl, heftiger Druck oder Brennen im Brustkorb "Vernichtungsschmerz"
  • Gesichtsfarbe blass bzw. fahl
  • Kalter Schweiß auf Stirn und Oberlippe
  • Atemnot
  • Unruhe

Schlaganfall

  • Sehstörungen
  • Sprach- und Sprachverständnisstörungen
  • Lähmungen und Taubheitsgefühle
  • Schwindel mit Gangunsicherheit
  • Sehr starke Kopfschmerzen

Mit dem FAST-Test kann man schnell einen Schlaganfall feststellen! FAST steht für Face-Arms-Speech-Time.

Face
Lächeln: Lähmung: (Ein Mundwinkel hängt)

Arms
Arme nach vorne strecken & Handflächen nach oben drehen: Lähmung (ein Arm sinkt bzw. eine Hand dreht sich nicht)

Speech
Satz nachsprechen lassen: Sprachstörung (Stimme klingt verwaschen oder Person spricht nicht)

Time
Unverzüglich 112 wählen und Symptome schildern.

Im Notfall hilft die 112.

Diagnostik

  • Ultraschallverfahren (Dopplersonographie)
  • Druckmessungen
  • Volumenmessungen
  • Mikroskopie
  • Schnittbildgebung (CT / MRT) und konventionelle Angiographie
  • Laufbanduntersuchung
  • Labordiagnostik

Zur Risikoabschätzung im Hinblick auf eine Erkrankung der Blutgefäße ist Pulswellenmessung des peripheren und zentralen Blutdrucks mittels Handgelenksmanschette ein unkomplizierteres und damit schnelleres Messverfahren als die Bestimmung mittels der etablierten Verfahren.

Das Verfahren wurde bereits 1863 eingeführt. Eine Erhöhung der Pulswellengeschwindigkeit von 10 Metern pro Sekunde (m/s) entspricht einem massiv höheren Gefäßalter von ca. 20 bis 25 Jahren. Eine Parodontaltherapie kann die Pulswellengeschwindigkeit um bis zu 0,5 m/s vermindern. Zum Vergleich: Medikamente können eine Senkung um 0,7 m/s erreichen.

Therapie

In frühen Stadien der Erkrankung können sich Gefäß-Ablagerungen durch gesunde Lebensweise wieder zurückbilden. Wie zur Vorbeugung sind dazu nachfolgend aufgeführte Maßnahmen entscheidend.

Vorbeugung arterieller Erkrankungen

  • Rauchen einstellen
  • Regelmäßige, auf Ausdauer ausgerichtete Bewegung
  • Strategien zur verbesserten Stressbewältigung
  • Bei Übergewicht Gewichtsreduktion
  • Bei Bluthochdruck konsequente blutdrucksenkende Behandlung: Medikamente und / oder Nahrungsmittel bzw. Genussmittel (wenig Alkohol, wenig Salz, Lebensmittel: z. B. Rote Beete, Ingwer, in Maßen Zartbitterschokolade mit 85 % Kakaoanteil)
  • Bei Diabetes oder Blutfetterhöhung konsequente Normalisierung ggf. mit Diät bzw. ggf. medikamentöser Therapie
  • Bei Hirndurchblutungsstörungen regelmäßiges Hirnleistungstraining ("Hirn-Joggen")

Vorbeugung venöser Erkrankungen

  • Regelmäßige Bewegung, vor allem Vermeidung von ständigem Sitzen und Stehen
  • Ausreichende Flüssigkeitsaufnahme: Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes
  • Sorge für geregelten Stuhlgang
  • Durchführung von Kaltwasseranwendungen (kalte Schenkelgüsse, Wassertreten): Verbesserung Venentonus und Förderung der Wadenmuskelpumpe
  • Erlernen von Venengymnastik / Venenwalking
  • Thromboseprophylaxe bei krankheitsbedingter Immobilisierung und bei Operationen (z. B. Heparin-Injektionen)
  • Tragen von medizinischen Kompressionsstrümpfen bei erblicher Venenschwäche und nach erlittenen Thrombosen

Ernährung

  • 1 Glas Rotwein am Tag kann einen gewisse Schutzeffekt haben
  • Pflanzliche Fette und Öle
  • Regelmäßig Seefisch
  • Frisches Gemüse und Obst

Medikamente

  • Zur Blutverdünnung
  • Gegen Blutfettstörungen ("Lipidsenker")
  • Gegen Bluthochdruck
  • Gegen Diabetes
  • Stress

Operative Verfahren

  • Aufdehnen der Gefäße mittels Katheter und einem kleinen Ballon (Katheter) und Stent-Einlage
  • Entfernung der Ablagerungen mit Hilfe eines winzigen, rotierenden Bohrkopfes oder mit einem Laser
  • Bypass-Operation mit einer körpereigenen Vene (alternativ mit synthetischen Material, z. B. Teflon)
  • Bei weit fortgeschrittenem Stadium offene Operation mit Ausschälen des Plaquematerials

Quiz

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Diese Seite wurde zuletzt am 19.08.2026 geändert.

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