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Demenz
Mund- & Allgemeinerkrankungen
Demenz (lateinisch "ohne Geist") ist eine Syndromdiagnose und fasst so verschiedene Erkrankungszeichen bzw. Wesensveränderungen zusammen. Dazu zählen unter anderem Vergesslichkeit, Sprache, Motorik oder Persönlichkeitsveränderung. Hauptmerkmal ist also eine Verschlechterung geistiger (kognitiver) Fähigkeiten mit der Zeit – im Gegensatz z. B. zu angeborenen Minderbegabungen.
Die beschriebenen geistigen Veränderungen müssen mehr als sechs Monate zu beobachten sein.
Demenz ist nicht zu verwechseln mit Delir z. B. wegen Schlaganfall, Tumor oder einfach Dehydrierung.
Literaturtipp
-
Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V.
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. bietet eine Vielzahl an interessanten Informationen und Publikationen rund um das Thema Demenz.
Demenz & Mundgesundheit
- Demenziell erkrankte Menschen vergessen, die Mundhygiene durchzuführen.
- Im Vergleich zu 44 % der gesunden Mernschen haben nur 10 % der Alzheimer-Erkrankten eigene Zähne.
- Bei ersten Alzheimer-Symptomen sind Parodontitis-Keime im Gehirn zu finden.
- Zähne bzw. Implantate verbessern die kortikale Plastizität. Zahnlosigkeit führt zu reduzierter Hirnaktivität.
- Kauen fördert den zerebralen Blutfluss und aktiviert den Hippocampus, sowie den präfrontalen Kortex (wichtig für Lern- und Gedächtnisleistungen). Reduziertes Kauen verändert die Neuronen.
- Kauen reduziert Stress (endokrin/autonom) über die sogenannte Stressachse (Hypothalamus-Hypophyse-Nebenniere). Reduziertes Kauen fördert chronischen Stress.
Häufigkeit
- 2020 leben ca. 1,6 Mio. demenzkranke Menschen in Deutschland
- Jährlich ca. 300.000 Neuerkrankungen
- 2040 werden es ca. 2,0–2,4 Mio. Menschen sein
- „Dunkelziffer“ höher
- Ca. 20-40 % aller Parkinsonkranken erkranken an einer Demenz,
Tendenz bei zunehmendem Alter steigend
Demenz-Betroffene in Deutschland 2019 (Quelle: Alzheimer Europe, Yearbook 2019)
Demenzformen
Bei primären Demenzen (90 %) ist das Gehirn selbst erkrankt. Hirnzellen sterben ab und die Erkrankung ist (bis heute) nicht heilbar. Die primären Demenzen werden dabei nochmals unterteilt in neurodegenerative Formen mit Ablagerungen bzw. Verklumpungen und vaskuläre Formen mit gestörter Blutversorgung.
Bei sekundären Demenzen (10 %) ist die Funktionstüchtigkeit des Gehirn aufgrund anderer körperlicher Erkrankungen oder Störungen aufgrund von Vergiftungen bzw Mangzelzuständen beeinträchtigt.
Die primären Demenzen können klinisch an folgenden charakteristischen Merkmalen unterschieden werden:
Alzheimer-Demenz
- Plaques, Fibrillen
- Schleichende Orientierungsstörung / Gedächtnisverlust
Vaskuläre Demenz
- Durchblutungsstörungen, z. B. Schlaganfall
- Abrupte / Stufenweise Veränderungen
Lewy-Körper-Krankheit
- Eiweißrest-Einlagerungen im Gehirn
- Frühzeitig: Sinnestäuschungen
Frontotemporale Demenz
- Alter: 50–60 Jahre, Spanne: 20–85 Jahre
- Veränderungen der Persönlichkeit & des Sozialverhaltens im Vordergrund
- Frühzeitig: Störung der Wortfindung & Sprachverständigung
Alzheimer-Demenz: Stadien
Erste Symptome:
- Wirkt verwirrt
- Keine adäquate Reaktion auf die Situation
- Unangemessene Kleidung
- Schwierigkeiten, präzise auf Fragen zu antworten, Verwendung von Floskeln
- Ständiges Wiederholen der gleichen Aussage bei gleichzeitig höherem Lebensalter
1. Frühes Stadium:
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Bedrohtes Ich (Van der Kooij):
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2. Fortgeschrittenes Stadium:
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Verirrtes Ich:
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3. Spätes Stadium:
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Verborgenes / Versunkenes Ich:
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»Menschen mit Demenz brauchen eine Bindungsperson, um sich psychisch zusammenhalten zu können.«
(Müller-Hergl, 2014).
Therapie
Bei Demenz sind Techniken der Validation (Wertschätzung) im Alltag und in speziellen Situationen sehr hilfreich.
Die Behandlung von Demenzerkrankung zielt auf die Stabilisierung der geistigen Leistungsfähigkeit, die Alltagsbewältigung sowie die Milderung von psychischen und verhaltensbezogenen Symptomen.
Dafür werden folgende Therapiestrategien verfolgt:
- Geistige und körperliche Aktivierung der Betroffenen
- Beratung der Angehörigen zum richtigen Umgang mit den Betroffenen
- Bedarfsgerechte Gestaltung des Wohnumfelds
- Medikamente
Therapie ohne Medikamente
"Menschen mit Demenz brauchen eine Bindungsperson, um sich psychisch zusammenhalten zu können" (Müller-Hergl, 2014)
Nicht-medikamentöse Behandlungen der Demenz zielen darauf ab, kognitive und körperliche Fähigkeiten zu trainieren. Ebenso können so Unruhe oder Reizbarkeit gemindert werden. Teilweise können die Behandlungen ärztlich verordnet und von den Krankenkassen erstattet werden (z. B. Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Verhaltenstherapie).
Schließlich spielt auch die bedarfsgerechte Beratung, Unterstützung und Entlastung der Angehörigen ein wichtige Rolle.
Therapie mit Medikamenten
Stabilisierung der geistigen Leistungsfähigkeit und der Alltagsbewältigung
Im Hinblick auf die Botenstoffe im Gehirn besteht bei der Alzheimer-Demenz ein Acetylcholin-Mangel sowie ein Glutamat-Überschuss. Cholinesterase-Hemmer (Wirkstoffe: Donepezil, Galantamin, Rivastigmin) verhindern den Abbau von Acetylcholin und sind für leichte bis mittlere Demenzstadien zugelassen. Ausbleibende Wirkung, Nebenwirkungen auf oder auch bestimmte Grunderkrankungen können die Auswahl des Wirkstoffes beeinflussen. Der Glutamat-bedingten Dauerstimulation der Nervenzellen kann mit Memantin vorgebeugt werden und ist für die mittelschwere bis schwere Demenz zugelassen. Sowohl Memantin als auch Cholinesterase-Hemmer können die Symptome häufig nur stabilisieren, der Nervenzell-Untergang wird jedoch nicht verhindert und deshalb nehmen die Beschwerden im Verlauf weiter zu.
Bei vaskulären Demenzformen kommen vor allem Blutdrucksenker, Blutverdünner, Cholesterinsenker und Antidiabetika zum Einsatz.
Behandlung von psychischen und verhaltensbezogenen Symptomen
Können Schmerzen (z. B. aufgrund einer Blasenentzündung oder aufgrund von Problemen im Mund) ausgeschlossen werden und bleiben nicht-medikamentöse Therapie-Ansätze (z. B. Veränderungen im Tagesrhythmus, körperliche Aktivität, Anpassungen der äußeren Umgebung) ohne Erfolg, können Antidepressiva hilfreich sein. Die selektiven Serotonin- bzw. Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI, SRNI) steigern den Antrieb. Mirtazapin oder Agomelatin dagegen haben schlafanstoßende Wirkung und können dementsprechend Tagesmüdigkeit mit sich bringen. Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sind vor allem bei der Eindosierung aufmerksam zu beobachten.
Behandlung von Verhaltenssymptomen
Neuroleptika (Antipsychotika) können hilfreich sein bei Aggressivität, Sinnestäuschungen, Unruhe oder Wahn. Sie müssen aber individuell und in niedriger Dosierung möglichst nur über kurze Zeit sowie unter engmaschiger Kontrolle verordnet werden. Die Gefahr für Schlaganfälle ist erhöht. Nebenwirkungen wie Bewegungsstörungen, Schwindel oder Muskelsteifheit steigern zudem die Sturzgefahr. Bei Parkinson oder der Lewy-Körper-Demenz kommen deshalb bevorzugt Quetiapin oder Clozapin zum Einsatz.
Als Beruhigungsmittel können Benzodiazepine (z. B. Diazepam oder Lorazepam) verordnet werden. Aber nur kurzzeitig und ausnahmsweise, da diese ebenfalls die Sturzgefahr steigern und zudem Suchtpotential besteht.
Behandlung von Schlafstörungen
Zolpidem, Zopiclon, Mirtazapin oder Agomelatin werden im Anfangsstadium zur Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt. Antipsychotika kommen in fortgeschrittenen Stadien zum Einsatz.
Quiz
Diese Seite wurde zuletzt am 20.08.2026 geändert.