Fettleibigkeit
Allgemeinerkrankungen

Adipositas

Fettleibigkeit (Adipositas) ist eine Vermehrung des Körperfetts, die über das Normalmaß hinausgeht. Für die Berechnung wird der Körpermassenindex BMI (Body-Mass-Index) herangezogen. Der BMI ergibt sich aus dem Quotienten von Körpergewicht (in kg) und dem Quadrat der Körpergröße (in m):
BMI = Gewicht (kg) / Größe (m)2

Die Grenzen für das Körpergewicht sind fließend. So lässt sich beispielsweise das Untergewicht folgendermaßen weiter unterteilen:

  • Starkes Untergewicht: < 16
  • Mäßiges Untergewicht: 16-16,9
  • Leichtes Untergewicht: 17-18,4

Im Alter verlangsamt sich der Stoffwechsel und damit auch der Fettabbau. Für die Berechnung des BMI muss demnach neben dem Geschlecht und der Körpergröße auch das Alter berücksichtigt werden.

BMI Body-Mass-Index EinstufungBMI Body-Mass-Index Einstufung

Messverfahren

BMI-Wert: Männer

Alter Untergewicht Normalgewicht Leichtes Übergewicht Übergewicht
16 ≤ 18 19 - 24 25 - 28 ≥ 29
17 - 24 ≤ 19 20 - 25 26 - 29 ≥ 30
25 - 34 ≤ 20 21 - 26 27 - 30 ≥ 31
35 - 44 ≤ 21 22 - 27 28 - 31 ≥ 32
45 - 54 ≤ 22 23 - 28 29 - 32 ≥ 33
55 - 64 ≤ 23 24 - 29 30 - 33 ≥ 34
65 - 90 ≤ 24 25 - 30 31 - 34 ≥ 35

BMI-Wert: Frauen

Alter Untergewicht Normalgewicht Leichtes Übergewicht Übergewicht
16 - 24 ≤ 18 19 - 24 25 - 28 ≥ 29
25 - 34 ≤ 19 20 - 25 26 - 29 ≥ 30
35 - 44 ≤ 20 21 - 26 27 - 30 ≥ 31
45 - 54 ≤ 21 22 - 27 28 - 31 ≥ 32
55 - 64 ≤ 22 23 - 28 29 - 32 ≥ 33
65 - 90 ≤ 23 24 - 29 30 - 33 ≥ 34

Bauchumfang messen

Gemessen wird in der Mitte zwischen Beckenkamm und dem untersten Rippenbogen. Zuvor ausatmen, Blick nach vorne.

  • Ideal: europäische Männer < 94cm & Frauen < 80 cm
  • Lebensstil ändern: Männer ab 94 cm & Frauen ab 80 cm
  • Risiko für Folgeerkrankungen deutlich erhöht: Männer ab 102 cm & Frauen ab 88 cm

Taille-Hüft-Verhältnis messen

Hier wird das Verhältnis gebildet von Taillenumfang (wo der Bauch am dicksten ist) zu Hüftumfang (breiteste Stelle der Hüfte).

  • Ideal: Männer < 0,95 & Frauen 0,8
  • Risiko für Folgeerkrankungen deutlich erhöht: Männer ab 1,0 & Frauen ab 0,85

Häufigkeit

Weltweit leiden eine Milliarde Menschen an Übergewicht, davon sind 300 Millionen adipös.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind in Deutschland etwa zwei Drittel der Männer (67 %) und die Hälfte der Frauen (53 %) übergewichtig. Ein Viertel der Erwachsenen (23 % der Männer und 24 % der Frauen) ist stark übergewichtig(adipös).

Die Verteilung zeigt neben den Geschlechtern auch altersabhängige Unterschiede.

Die Deutsche Adipositas Gesellschaft e.V. stellt auf ihrer Homepage einen BMI-Rechner für Erwachsene und Kinder zur Verfügung.

Hauptursachen für Fettleibigkeit sind:

  • Genetische Veranlagung (40-60 %)
  • Bewegungsmangel
  • Zucker- und fettreiche, kalorienreiche Mahlzeiten mehrmals am Tag

Der gesteigerte Appetit kann dabei zurückzuführen sein auf:

  • Psychische Ursachen (z.B. Depressionen, Angstzustände)
  • Essstörungen
  • Nikotinverzicht
  • Medikamente
  • Ggf. Unterfunktion der Schilddrüse
  • Hormonumstellung in den Wechseljahren
Adipositas bei Frauen und Männern unterschiedlicher AltersgruppenAdipositas bei Frauen und Männern unterschiedlicher Altersgruppen

Symptome & Folgen

Viszerales Bauchfett

Das viszerale (die Eingeweide betreffende) Bauchfett, das die lebenswichtigen Organe im Bauchraum umlagert, fördert Fettstoffwechselstörungen und somit die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes.

Fettverteilung: Apfel- oder Birnen-Typ?

Menschen mit Fettverteilung um den Bauch ("Apfel-Typ") sind besonders gefährdet für die Entstehung des sogenannten metabolischen Syndroms.

Menschen mit hüftbetonter Adipositas ("Birnen-Typ") sind diesbezüglich begünstigt.

Metabolisches Syndrom

  • Übergewicht (bauchbetont)
  • Fettstoffwechselstörung
  • Blutzucker erhöht bzw. Zuckerstoffwechselstörung
  • Bluthochdruck

Folgeerkrankungen

Krankhaftes Übergewicht schränkt nicht nur die körperliche Leistungsfähigkeit ein, sondern begünstigt auch das Auftreten verschiedener Folgeerkrankungen:

  • Diabetes Mellitus Typ 2
  • Herzinfarkt
  • Schlaganfall
  • hoher Blutdruck
  • Schnarchen und Atemaussetzer beim Schlafen (Schlafapnoe)
  • Erkrankungen des Bewegungsapparats
  • Krebserkrankungen (z.B. Dickdarmkrebs, Prostatakrebs, Nieren-, Gallenblasen- und Brustkrebs)
Apfel- oder Birnentyp?Apfel- oder Birnentyp?

Fettleibigkeit & Parodontitis

Die Wahrscheinlichkeit, an einer Parodontitis zu erkranken, ist bei Übergewichtigkeit um das 1,3-Fache und bei Fettleibigkeit um das 1,8-Fache erhöht.

Mit dem Anstieg des BMI nimmt die Zahl der krankhaft vertieften Zahnfleischtaschen zu.

Außerdem beeinflusst Adipositas die parodontale Heilung nach einer Parodontitistherapie negativ.

Neben entzündungsfördernden Adipokinen (siehe Diabetes) aus dem vermehrten Fettgewebe ist auch das Risiko für Typ-2-Diabetes mellitus erhöht. Über diese indirekte Wirkung mit Bildung von AGE (advanced glycation end products) und andere Diabetes-assoziierte Pathomechanismen der entzündliche Abbau des Parodonts gefördert.

Zudem kann eine falsche Ernährung oder der oftmals mit Adipositas verbundene mentale Stress die Entstehung sowie das Fortschreiben parodontaler Erkrankungen begünstigen.

Therapie

Verhaltenstherapie

  • Essverhalten wird mit Ernährungstagebuchs dokumentiert
  • Wann esse ich? Wie oft? Welche Mengen? Welche Lebensmittel?

Ernährungstherapie

  • Fett- und zuckerarme ballaststoffreiche Lebensmittel
  • Nur bei Hungergefühl – optimal 3x am Tag und kein Zwischenmahlzeiten
  • Ein Stück Obst oder ein weißes fettfreies Joghurt, um Heißhungerattacken zu bremsen
  • Fertigprodukte & Softgetränke ganz weglassen
  • Kombination Lebensmittelgruppen (kohlenhydratreich, eiweißreich) wie bei Trennkost

Wichtig ist es, langsam, aber dafür kontinuierlich Gewicht zu verlieren (ein Kilo pro Woche reicht!): Ein Kilogramm Körperfett „kostet“ 7000 kcal.

Bewegungstherapie

  • Gelenkschonende Bewegung, um Stoffwechsel anzukurbeln und Muskelmasse zu erhalten (schnelles Spazierengehen, Radfahren, Schwimmen, Treppen steigen?…)
  • Mindestens 3x pro Woche ca. 40 Minuten
  • Gruppentraining

Medikamente

Medikamente, die in den Fettstoffwechsel eingreifen, werden nur unterstützend verordnet.

Schon geringe Gewichtsabnahme (5 bis 10 %) reduziert Gesundheitsrisiken wie Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und Fettstoffwechselstörungen.

Professionelle Unterstützung ist wichtig – viele Betroffene fallen sonst nach der "Diätphase" wieder in ihr altes Ernährungsmuster zurück.

Operationen

Ab einem BMI von 40 (z.B. 130 kg bei einer Körpergröße von 1,80 m) werden in Deutschland Adipositas-OPs empfohlen. Niedrigere Grenzen gelten bei Begleiterkrankungen (ab BMI 35).

Verfahren:

  • Magenband
  • Magenballon
  • Teflon-Schlauch (EndoBarrier)
  • Omega-Loop
  • Schlauchmagen
  • Bypass-Magen

Magenband und Magenballon sind ältere Verfahren, technisch einfach und können rückgängig gemacht werden. Das Band aus Silikon schnürt den Magen im oberen Bereich ein, der aufblasbare Ballon verkleinert das Magen-Volumen. Beide Verfahren zeigen auf Dauer jedoch Komplikationen (z.B. Verschleiß) und werden deshalb heute nur noch selten angewandt. In Einzelfällen ist der Ballon endoskopisch im Rahmen einer Magenspiegelung sinnvoll, wenn z.B. der Patient zu übergewichtig für eine Operation ist. Der Ballon hilft dabei, so weit abzuspecken, dass ein Eingriff in Narkose überhaupt möglich wird.

Ein Teflon-Schlauch („EndoBarrier“) endoskopisch in den Dünndarm eingesetzt hindert den Darm daran, Nährstoffe aufzunehmen. Auch beim Omega-Loop wird der normale Weg der Nahrung erheblich verändert und führt nicht selten zu Folgeproblemen.

Schlauchmägen sind die weltweit häufigsten Operationen bei Adipositas, gefolgt von Bypässen:

Bei der Schlauchmagen-OP wird das vorher manchmal fußballgroße Verdauungsorgan häufig auf das Maß einer kleinen Banane reduziert. Der Rest wird chirurgisch entfernt. Man nimmt ab, weil weniger in den Magen passt, aber der Speisebrei wandert ganz normal durch den Darm und Nährstoffe gelangen von dort ins Blut. Als Nebenwirkung wird mitunter Sodbrennen angeführt.

Beim Magen-Bypass wird der Magen stark verkleinert, ein Teil des Dünndarms abgekoppelt und ein Stück weiter unten wieder angenäht. Der Körper nimmt infolge der „Abkürzung“ weniger Energie aus der Nahrung auf.

Mögliche operative EingriffeMögliche operative Eingriffe

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