Herz-Kreislauf-Erkrankung
Allgemeinerkrankungen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind vielfältig. Neben Verletzungen, meist gutartige Blutschwämme (Hämangiome) und dem Raynaud-Syndrom (Weißfingerkrankheit – bei Frauen häufiger als bei Männern) zählen vor allem Herzinfarkt und Schlaganfall zu den Volkskrankheiten. Diese werden entweder akut z.B. durch Thrombosen (eingeschwemmte Blutgerinnsel mit Gefahr der Verstopfung, z.B. Lungenembolie) ausgelöst oder meist durch längerfristige Ablagerungen (Plaques) an den Gefäßwänden ausgelöst. In diesen Fällen spricht man umgangssprachlich von Arterienverkalkung (Arteriosklerose bzw. Atherosklerose).

Unter Arteriosklerose (Arterienverkalkung) versteht man die degenerative arterielle Gefäßerkrankung. Der Begriff Atherosklerose betont die Einlagerung von Plaques in die Gefäßinnenwänden.

Bei der koronaren Herzkrankheit (KHK - Angina pectoris) sind die großen Herzgefäße (Koronararterien) verengt.

Bei der Schaufensterkrankheit (PAVK - Periphere Arterielle Verschlusskrankheit) ist die Durchblutung der Beinschlagader gestört. Betroffene fallen dadurch auf, dass sie z.B. beim Einkaufen häufig stehenbleiben müssen.

Hier geht es zum Check für das eigene Herzinfarkt-Risiko.

Häufigkeit

Ca. 19 Mio Menschen in Deutschland leiden an Bluthochdruck. 40-50 % von Ihnen werden nicht rechtzeitig erkannt. Nur 30-40 % werden effektiv behandelt.
Ca. 4 Mio Menschen in Deutschland leiden an Durchblutungsstörungen und auch hier sind zwei Drittel unerkannt. Bei über 90 % der Patienten mit chronischen Durchblutungsstörungen findet man eine Arteriosklerose als Ursache. Mehr als 20 % der über 65-Jährigen leben damit in einem erhöhten Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt.

Über 300.000 Menschen sterben jedes Jahr an Herzinfarkt und Schlaganfall.
Über 200.000 Menschen erleiden jährlich einen Schlaganfall, 15 % aufgrund verengter Hirnschlagadern.
Über 300.000 Menschen weisen gefährlichen Erweiterungen (Aneurysma) der Bauchschlagader.
Über 100.000 Menschen jährlich erkranken an einer Venenthrombose in den großen Venen; eine gefürchtete Komplikation ist die lebensgefährliche Lungenembolie.
Über 35.000 Menschen werden pro Jahr wegen einer durch Atherosklerose oder gefäßbedingten Folgen des Diabetes mellitus beinamputiert.

Bis zu 30 % der Menschen mit Atherosklerose an Herz-, Hirn- oder Beingefäßen weisen zudem Verengungen der Nierengefäße aus; Niereninsuffizienz und Dialyse sind die Folgen.

(Quelle: Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V.)

Atherosklerose & Parodontitis

Paradontitis ist ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. So finden sich Bakterien aus dem Mund (Porphyromonas Gingivalis) auch in Herzklappen / Endothel (Blutgefäße) / Myokard (Herzmuskel).
Wird Paradontitis rechtzeitig therapiert, verbessert sich auch die Durchblutung.

Atherosklerose kann durch Entzündungen gefördert werden – auch durch Parodontitis. Zahlreiche Meta-Analysen belegen den Zusammenhang zwischen Parodontitis und koronarer Herzerkrankung, Schlaganfall sowie peripherer arterieller Verschlusskrankheit.

Neben gemeinsamen Risikofaktoren (Genetik, Rauchen, Diabetes,...) dringen parodontalpathogene Mikroorganismen, also Bakterien aus dem Zahnhalteapparat über die Blutbahn in die Gefäßwand ein, vermehren sich und führen so direkt zu Endothelschädigungen. Zudem können die Keime die Gerinnungskaskade aktivieren und Autoantikörper gegen Endothelzellen bilden. Schließlich verstärken die Mikroorganismen entweder im Parodont selbst schon oder in der systemischen Zirkulation die Bildung von Entzündungsmolekülen.

Umgekehrt vermag eine effektive Parodontitistherapie die Endothelfunktion im frühen Stadium der Erkrankung zu verbessern. Ob eine Parodontitistherapie auch zu Verbesserungen führt, wenn bereits eine fortgeschrittene Atherosklerose vorliegt bzw. nach Herzinfarkt oder Schlaganfall, ist noch ungeklärt.

Ursachen

Während die kleinen Blutgefäße (Kapillaren) nur aus einer Schicht aufgebaut sind, weisen die großen Blutgefäße (Arterien und Venen) drei Schichten auf. Die Gefäßinnenhaut (Endothel) nimmt durch hohen Blutdruck, hohe Blutzucker- und hohe Cholesterin-Werte mittelfristig Schaden. Kleinste und kleine Verletzungen, die sich mehr und mehr verstärken, führen zu den Ablagerungen (Plaques) aus Cholesterin, anderen Fetten, Bindegewebe, Blutbestandteilen, Zuckern sowie Mineralien (Calciumphosphat). Das Blutgefäß „verkalkt“ und es kommt zur Minderdurchblutung (Ischämie).

Kalkeinlagerungen in der mittleren Gefäßwandschicht sind eine besondere Form der Arteriosklerose und finden sich häufig bei Diabetes mellitus oder bei chronischen Nierenerkrankungen (Niereninsuffizienz).

Sind mehr als 70% eines Gefäßes eingeengt (in der Regel Jahre bis Jahrzehnte), treten meist die ersten Symptome auf. Besonders betroffen sind:

  • Aufzweigungen der Halsarterien
  • Aufzweigung der Bauchschlagader in die Beckenarterien (Aortenbifurkation)
  • Schlüsselbeinarterie
  • Beckenarterien
  • Oberschenkel- und Kniearterien
  • Unterschenkelarterien

Reißen Ablagerungen ein, kann sich an der Stelle ein Blutgerinnsel bilden und das Blutgefäß vollständig verschließen mit schwerwiegenden Folgen für das betroffene Gewebe (z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall, Lungenembolie...).

Aufbau großer Blutgefäße & Entstehung von AblagerungenAufbau großer Blutgefäße & Entstehung von Ablagerungen

Risikofaktoren

Neben dem Alter, der erblichen Belastung und dem männlichen Geschlecht spielen vor allem Fettstoffwechselstörungen eine entscheidende Rolle bei der Entstehung der Krankheit.

Risikofaktoren 1. Ordnung

  • Zu hohe Cholesterinwerte (Hypercholesterinämie)
  • Zu hoher Blutdruck (Hypertonie)
  • Stoffwechselerkrankungen (z.B. Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus)
  • Zigarettenrauchen

Risikofaktoren 2. Ordnung

  • Übergewicht
  • Stress
  • Bewegungsmangel

Menschen mit zwei Risikofaktoren 1. Ordnung sind bereits viermal so stark gefährdet, eine Atherosklerose zu entwickeln im Vergleich zu Personen ohne Risikofaktoren.

Symptome

Durchblutungsstörung allgemein

  • Haut blass bzw. blau
  • Gliedmaßen kalt
  • Wundheilung verzögert
  • Taubheitsgefühl
  • Schmerzen
  • Puls schlechter bzw. nicht fühlbar
  • Ausdauer beim Laufen eingeschränkt

Durchblutungsstörung im Bereich der Beine

  • „Brennen“ in den Beinen
  • Fußnägel wachsen langsamer
  • Haarverlust an den Beinen
  • Muskelschwäche bzw. Muskelschmerzen bei Belastung

Durchblutungsstörung im Bereich des Herzens

  • "Brustende" – „Brennen“ in der Brust

Herzinfarkt bei Frauen

  • Übelkeit mit Erbrechen
  • Müdigkeit
  • Kiefer- oder Halsschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Atemnot
  • Benommenheit

Herzinfarkt bei Männern

  • Starke Schmerzen hinter dem Brustbein
  • Schmerzen ggf. ausstrahlend in Arme, Hals, Kiefer, Schulterblätter, Oberbauch oder Nacken
  • Starkes Engegefühl, heftiger Druck oder Brennen im Brustkorb "Vernichtungsschmerz"
  • Gesichtsfarbe blass bzw. fahl
  • Kalter Schweiß auf Stirn und Oberlippe
  • Atemnot
  • Unruhe

Schlaganfall

  • Sehstörungen
  • Sprach- und Sprachverständnisstörungen
  • Lähmungen und Taubheitsgefühle
  • Schwindel mit Gangunsicherheit
  • Sehr starke Kopfschmerzen

Mit dem FAST-Test kann man schnell einen Schlaganfall feststellen! FAST steht für Face-Arms-Speech-Time.

Face
Lächeln: Lähmung: (Ein Mundwinkel hängt)

Arms
Arme nach vorne strecken & Handflächen nach oben drehen: Lähmung (ein Arm sinkt bzw. eine Hand dreht sich nicht)

Speech
Satz nachsprechen lassen: Sprachstörung (Stimme klingt verwaschen oder Person spricht nicht)

Time
Unverzüglich 112 wählen und Symptome schildern.

Im Notfall hilft die 112.

Diagnostik

  • Ultraschallverfahren (Dopplersonographie)
  • Druckmessungen
  • Volumenmessungen
  • Mikroskopie
  • Schnittbildgebung (CT/MRT) und konventionelle Angiographie
  • Laufbanduntersuchung
  • Labordiagnostik

Zur Risikoabschätzung im Hinblick auf eine Erkrankung der Blutgefäße ist Pulswellenmessung des peripheren und zentralen Blutdrucks mittels Handgelenksmanschette ein unkomplizierteres und damit schnelleres Messverfahren als die Bestimmung mittels der etablierten Verfahren.

Das Verfahren wurde bereits 1863 eingeführt. Eine Erhöhung der Pulswellengeschwindigkeit von 10 Metern pro Sekunde (m/s) entspricht einem massiv höheren Gefäßalter von ca. 20 bis 25 Jahren. Eine Parodontaltherapie kann die Pulswellengeschwindigkeit um bis zu 0,5 m/s vermindern. Zum Vergleich: Medikamente können eine Senkung um 0,7 m/s erreichen.

Therapie

In frühen Stadien der Erkrankung können sich Gefäß-Ablagerungen durch gesunde Lebensweise wieder zurückbilden. Wie zur Vorbeugung sind dazu nachfolgend aufgeführte Maßnahmen entscheidend.

Vorbeugung arterieller Erkrankungen

  • Rauchen einstellen
  • Bei Bluthochdruck konsequente blutdrucksenkende Behandlung, ggf. auch
  • Bei Diabetes oder Blutfetterhöhung konsequente Normalisierung ggf. mit Diät bzw. ggf. medikamentöser Therapie
  • Bei Übergewicht Gewichtsreduktion
  • Bei Hirndurchblutungsstörungen regelmäßiges Hirnleistungstraining ("Hirn-Joggen")
  • Regelmäßige, auf Ausdauer ausgerichtete Bewegung
  • Strategien zur verbesserten Stressbewältigung

Vorbeugung venöser Erkrankungen

  • Regelmäßige Bewegung, vor allem Vermeidung von ständigem Sitzen und Stehen
  • Ausreichende Flüssigkeitsaufnahme – Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes
  • Sorge für geregelten Stuhlgang
  • Durchführung von Kaltwasseranwendungen (kalte Schenkelgüsse, Wassertreten) – Verbesserung Venentonus und Förderung der Wadenmuskelpumpe
  • Erlernen von Venengymnastik / Venenwalking
  • Thromboseprophylaxe bei krankheitsbedingter Immobilisierung und bei Operationen (z.B. Heparin-Injektionen)
  • Tragen von medizinischen Kompressionsstrümpfen bei erblicher Venenschwäche und nach erlittenen Thrombosen

Ernährung

  • 1 Glas Rotwein am Tag kann eine gewisse Schutzeffekt haben
  • pflanzliche Fette und Öle
  • regelmäßig Seefisch
  • frisches Gemüse und Obst

Medikamente

  • Zur Blutverdünnung
  • Gegen Blutfettstörungen ("Lipidsenker")
  • Gegen Bluthochdruck
  • Gegen Diabetes
  • Stress

Operative Verfahren

  • Aufdehnen der Gefäße mittels Katheter und einem kleinen Ballon (Katheter) und Stent-Einlage
  • Entfernung der Ablagerungen mit Hilfe eines winzigen, rotierenden Bohrkopfes oder mit einem Laser
  • Bypass-Operation mit einer körpereigenen Vene (alternativ mit synthetischen Material, z.B. Teflon)
  • Bei weit fortgeschrittenem Stadium offene Operation mit Ausschälen des Plaquematerials

Was gibt es noch zu wissen?
Weitere Themen

Assessments

Pneumonie & Dysphagie

Gebrechlichkeit

Mangelernährung

Demenz

Diabetes mellitus

Rheuma

Herz-Kreislauf-Erkrankung

Fettleibigkeit

Probleme in der Schwangerschaft

Feedback

Wir freuen uns über konstruktives Feedback, Anmerkungen oder Anregungen zum Projekt.
Schreiben Sie hierzu einfach eine Nachricht an info@mund-pflege.net.

©mund-pflege.net

Suchen …